Strategiesitzung im Wirtschaftsministerium

  Die Teilnehmer/-innen aus Coburg
  Video: Digitale Einkaufsstadt Coburg

  Digitales Schaufenster »GoCoburg«

  Ergebnisse der Bürgerbefragung

In den kommenden zwei Jahren möchte man gemeinsam mit den Coburgern viel erreichen, nicht zuletzt in Bezug auf die »Sichtbarkeit« der Stadt und ihrer Händler online: Seit sich die Stadt Coburg Ende Oktober letzten Jahres im Wettbewerb um das Modellvorhaben »Digitale Einkaufstadt« erfolgreich gegen 33 andere Städte und Gemeinden aus Bayern durchsetzen konnte und als eine von drei Modellkommunen vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gefördert wird, arbeite die lokale Projektgruppe – bestehend aus Vertretern der Stadt, des Citymanagements, der lokalen Händlergemeinschaft Zentrum Coburg und der IHK – hinter den Kulissen mit Hochdruck an der Entwicklung von maßgeschneiderten Lösungen für die Vestestadt.

Die Eckpunkte der in Coburg entwickelten Strategie für eine »Lebendige Innenstadt« stießen dann auch bei der ersten gemeinsamen Strategiesitzung im Rahmen der „Digitalen Einkaufstadt“ Ende März im Bayerischen Wirtschaftsministerium in München auf großes Interesse. Insbesondere aus den Ende letzten Jahres zusammen mit Coburg ausgewählten Modellkommunen Pfaffenhofen an der Ilm und Günzburg kamen viele Fragen zu den in Coburg bereits in den vergangenen Jahren erfolgreich etablierten Strukturen. In Coburg – so eine der Erkenntnisse, die die Verantwortlichen vor Ort aus dem Bewerbungsprozess gezogen haben – profitiere man nicht nur davon, in der Vergangenheit die Zeichen der Zeit erkannt und die Weichen entsprechend richtig gestellt zu haben; die Stadt zeichne sich auch durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den zentralen Akteuren innerhalb der Stadtverwaltung und ihrer Eigenbetriebe sowie der lokalen Händler(-gemeinschaften) aus, was – so der Eindruck, den die Projektgruppe aus München zurückbrachte – alles andere als selbstverständlich ist. Lob gab es am Rande der Strategiesitzung auch von Staatsministern Ilse Aigner. Sie betonte das »hohe[] Engagement und [die] hohe Veränderungsbereitschaft« in den drei Modellkommunen.

Angebote wie das Innenstadtportal mit einem umfangreichem Branchenführer, einem Gastronomieverzeichnis und dem »Mittagspausenführer« sind in Coburg seit vielen Jahren etabliert und erfreuen sich bei den teilnehmenden Händlern wie auch der nachfragenden Kundschaft überaus großer Beliebtheit. Dass solche Angebote tatsächlich genutzt werden und ihre Bedeutung – auch für die letztendliche Kaufentscheidung der potenziellen Kunden – steigt, ist eine Erfahrung, die man nicht nur in Coburg gemacht hat – sie wird auch durch die zeitgleich in allen drei Modellkommunen von den im Rahmen der Modellvorhabens tätigen Beratungsunternehmen – CIMA, elaboratum und BBE Handelsberatung – durchgeführten Onlineumfrage gestützt. Als Tendenz ist hierbei – in allen drei Kommunen – deutlich erkennbar, dass der Strukturwandel des Einzelhandels lokal spürbare Auswirkungen auf das Einkaufsverhalten einer wachsenden Anzahl an Kundinnen und Kunden hat. Ein Drittel der Befragten gab an, sich vor einem Einkauf in der Innenstadt zunächst im Internet zu informieren. Verlässliche Informationen zu Geschäften, Erreichbarkeit und Veranstaltungen wünschten sich die Umfrageteilnehmer dabei am häufigsten. Informationen zum Produktangebot und zur Verfügbarkeit in den einzelnen Geschäften sowie die Möglichkeit einer schnellen Lieferung noch am selben Tag spielten bezogen auf die Anforderungen an ein Online-Stadtportal nach der Meinung der Befragten hingegen eher eine untergeordnete Rolle.

Als Antwort auf genau diese Entwicklungen hatte man in Coburg bereits im Vorfeld der Bewerbung Lösungen entwickelt und erste Projekte auf dem Weg gebracht, die im Zuge der Auswahl als Modellkommune in das Konzept einer »Lebendigen Innenstadt Coburg« integriert wurden. Zusammen mit lokalen Partnern wurde das Digitale Schaufenster »GoCoburg« an den Start gebracht und die Installation von Hotspots an zentralen Standorten innerhalb der Innenstadt – am Markt, in der Spitalgasse, am Theater-, Schloss- und Albertsplatz sowie in der Herrngasse – vorangebracht. Auch mit der Verbesserung des Informationsangebotes und der Qualität der Daten beschäftigt man sich in Coburg seit knapp einem Jahr ressortübergreifend: Das Internetangebot der Stadt Coburg, »GoCoburg« aber auch andere Portale sollen in Zukunft aus einer Quelle mit aktuellen Informationen versorgt werden.

Breite Akzeptanz für ein zentrales Informationsangebot signalisiert auch hier wieder die im Rahmen der »Digitalen Einkaufsstadt« durchgeführte Umfrage. Knapp 70 % der Befragten bekundeten Interesse an einem Online-Stadtportal und würden ein solches auch aktiv nutzen. Dass ein solches Interesse auch bei den Coburger Händlern vorhanden ist, zeigte der große Andrang bei der Vorstellung des Digitales Schaufensters »GoCoburg« vor einigen Monaten im Rathaussaal. Auch die Zahl der aktiv an der Plattform teilnehmenden Händler nahm im Laufe der Zeit kontinuierlich zu.

Die Strategie(n) für Coburg

Weitere Eckpunkte der für die Stadt Coburg entwickelten Strategie(n) stellte die Projektgruppe »Digitale Einkaufstadt« im Nachgang der Strategiesitzung in einem Pressegespräch im Rathaus vor. Zu den Leitfragen, die man sich im Vorfeld in Coburg stellte, gehörten u.a.: Wie können wir unseren Inhabern und Händlern angesichts des bevorstehenden Wandels neuen Mut machen? Wir können wir noch besser auf das geänderte Kaufverhalten der Konsumenten, die inzwischen eine „Verschmelzung“ vieler Verkaufskanäle als Selbstverständlichkeit sehen, reagieren? Und: Wie können wir trotz des aufgrund der baulichen Struktur der Stadt begrenzten Platzes so etwas wie „Großstadtfeeling“ erzeugen?

 


 

Die über die vergangenen Monate entwickelten und nun erstmals zur Diskussion gestellten Strategien setzen dabei auf vier, zueinander in Beziehung stehenden, Säulen auf: In der Verknüpfung von Wissen, Technik, Netzwerken und einem Schwerpunkt auf der (Erhöhung der Online-)Sichtbarkeit sieht die Projektgruppe den Schlüssel für ihr zukünftiges Handeln:

Im Handlungsfeld »Wissen« sollen Qualifizierungsangebote an die Coburger Händler – in Abstimmung mit der von der Industrie- und Handelskammer zu Coburg ins Leben gerufenen eCommerce-Initiative – im Vordergrund stehen. Bestehende Angebote wie der Händlerstammtisch sollen sukzessive durch Vorträge und Schulungsangebote ergänzt werden. Ein »Zertifikatsprogramm« für Händler mit Herz soll Mut machen und motivieren, den Weg zur »Digitalen Einkaufsstadt« über die Distanz mitzugehen. Auch eine »Social-Media-Sprechstunde« wird in Kooperation mit der »GoCoburg« betreuenden Agentur »Klickfeuer« wieder häufiger stattfinden.

Das Digitale Schaufenster »GoCoburg« soll in Zukunft zu einem integralen Bestandteil des »Erlebnisses Innenstadt« werden. Im Handlungsfeld »Technik« möchte man die vielfältige Kundenansprache über soziale Medien noch konsequenter dazu nutzen, »Einkaufserlebnisse« online abzubilden bzw. vor Ort zu bereichern sowie zur Verbesserung der lokalen Kundenbindung beizutragen. Optimierte Prozesse und »Content-Sharing« über verschiedene Plattformen sollen der Coburger Innenstadt und ihren Händler auf vielfältige Weise »digital« neue Aufmerksamkeit zu bescheren.

Netzwerke auf lokaler und überregionaler Ebene nehmen in dem Konzept eine zentrale Stellung ein. Was Coburg bereits im Bewerbungsprozess zur »Digitalen Einkaufsstadt« herausstellte, war die Unterstützung eines breiten Bündnisses an lokalen Akteuren, deren Beteiligung auch im weiteren Prozess als sicher gelten kann. Weitere Anknüpfungspunkte für lokale Partnerschaften sieht die Projektgruppe aber bspw. auch bei den lokalen Versorgern, im Bereich der Hochschule, im Tourismus sowie auf dem Gesundheitssektor. Eine noch stärkere Einbeziehung der lokalen Händler(-gemeinschaften) hat man sich in Coburg ebenso auf die Fahnen geschrieben wie die Förderung eines Erfahrungstausches innerhalb der Stadtgesellschaft. Das alles muss natürlich auch finanziert werden – gerade deshalb will man sich in Coburg auch auf höherer Ebene um die Anbahnung neuer strategischer Partnerschaften bemühen. Im Vordergrund wird dabei die Evaluation weiterer Fördermöglichkeiten und -programme stehen.

Konkret wiederspiegeln sollen sich diese Bemühungen nicht zuletzt in einer deutlichen Intensivierung sowie in einer qualitativen Steigerung der Onlinepräsenz der »Einkaufsstadt Coburg«. Händler, Dienstleister, und Gastronomen, Ambiente, Flair und Vielfalt der Geschäfte sollen in Zukunft in den zentralen Angeboten, in Suchmaschinen sowie in den sozialen Medien deutlich besser sicht- und erlebbar werden. Eine Verzahnung mit verschiedenen, das Einkaufserlebnis abrundenden Elementen – bspw. mit touristischen und Freizeitangeboten – wird angestrebt. Bestehende Serviceangebote sollen um digitale Komponenten erweitert werden.

Von den im Rahmen des Modellvorhabens in Coburg gemachten Erfahrungen sollen später einmal auch andere Kommunen profitieren. Die Übertragbarkeit der im Rahmen der »Digitalen Einkaufsstadt« entwickelten Ideen und Strategien stellt eine zusätzliche Dimension der Konzeptentwicklung und Projektbegleitung dar. Auch hier ist man bemüht, den Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen in- und außerhalb des Modellvorhabens stetig voranzutreiben. Die nächste Gelegenheit hierzu bietet sich bereits in wenigen Tagen im Rahmen eines Austausches in Kooperation mit der Rid Stiftung, zu dem zahlreiche Vertreter aus nordbayerischen Kommunen in Coburg erwartet werden, um sich »vor Ort« aus erster Hand über die Erfahrungen im Rahmen der »Digitale Einkaufsstadt« zu informieren.

 


 

 

 

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