Roadshow-Termin in Coburg: Digitale Lösungen für den Handel individuell umsetzen

von3. Dezember 2016 um 14:45Stadt Coburg0 Kommentare

Moderator Thilo Zelt, Leiter der BMWi-Initiative Intelligente Vernetzung, diskutiert mit den Panel-Teilnehmern Marcel Altenfelder (Intersport Wohlleben), Andreas Kücker (klickfeuer, GoCoburg) und Peter Schödlbauer (Mode Schödlbauer, hemden-meister.de) über versch. Strategien auf dem Weg zu einer (noch) stärkeren Verknüpfung von stationären und Online-Handel, insbesondere für lokale, inhabergeführte Fachgeschäfte (v.l.n.r.).

 

  Panel: Aktives Miteinander – Gemeinsam Online

  Existenzgründerforum

Im Rahmen des Modellprojektes »Digitale Einkaufsstadt Coburg« fand am Mittwoch, den 30. November 2016 die Veranstaltung »Erfolgreich im E-Commerce – Ideen, Know-How und Networking für den lokalen Handel« statt. Experten, Händler und »Digitale« diskutierten die Frage: Wie kann die Verknüpfung von stationärem und online-Handel aussehen?

Was brauche ich als Händler, um im digitalen Zeitalter mit meinen Ideen, Vorstellungen und meiner Unternehmung zu bestehen? Was bedeutet Multi-Channeling, Big Data, Voice Interfaces oder was ist ein Virtual Mirror? Schon die Flut an Fremdworten hinterlässt bei so manchem Einsteiger ins digitale Business nichts als Fragezeichen in den Augen. Doch genau diese Hürde gilt es zu überwinden, das wird am Mittwochnachmittag im Rahmen der Roadshow-Veranstaltung schnell klar. Denn eines ist unausweichlich: Das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten und Herausforderungen werden wir nicht mehr los. Besser ist es, sich darauf einlassen und nicht die Augen davor zu verschließen. Auch das haben viele Coburger Unternehmer erkannt. Das Interesse an der Veranstaltung war dementsprechend groß und der Saal im Gesellschaftshaus Leise am Markt voll besetzt. Lokale (Einzel)-Händlern traten mit Experten und erfahrenen »Digitalen« aus der Region in den Dialog, tauschten Erfahrungen aus und ließen sich von Erfolgsgeschichten inspirieren.

»Ziel der Veranstaltung ist es, die Potenziale der Digitalisierung und die für ein Geschäft daraus erwachsenden Herausforderungen und Chancen selbst zu erkennen«, erklärte Karin Engelhardt, Leiterin der Stabsstelle E-Government und Verwaltungsmodernisierung der Stadt Coburg. Mit ihrem Team hat sie die Veranstaltung initiiert und umgesetzt, mit fachlicher Unterstützung der »Initiative Intelligente Vernetzung« des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer zu Coburg, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg und der Sparkasse Coburg-Lichtenfels. Coburg ist längst auf dem Weg zur Digitalen Einkaufsstadt. Seit 2015 ist die Vestestadt Modellkommune im Projekt »Digitale Einkaufstadt Bayern« des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, in dem mit Hilfe digitaler Strategien die Händler ermutigt und unterstützt werden, den Online- und den stationären Handel erfolgreich und effizient zu verknüpfen.

Bereits seit 2001 baue die Stadt »Stein für Stein auf, um die digitale Daseinvorsorge immer weiter zu entwickeln«, betonte Oberbürgermeister Norbert Tessmer das städtische Engagement. Dabei sei »stetiges Veränderungsmanagement« nötig. Coburg übernimmt deutschlandweit eine Vorreiterrolle, lobte auch Thilo Zelt, Leiter der Initiative Intelligente Vernetzung und Moderator des Nachmittags. Seit Anfang 2016 werden konkrete Konzepte zu der Idee »Digitale Einkaufsstadt Coburg« ausgearbeitet, um die Innenstadt zu beleben und den Einzelhandel zu stärken.

 


Nicht für jeden Händler steckt die Lösung seiner digitalen Zukunft in der Schaffung eines kompletten Online-Shops. Wichtig sei es auf irgendeine Weise im Netz präsent zu sein, Angebote zu machen, um Kunden zu erreichen und zu halten. Händler sollten ihre geschäftliche Situation genau analysieren, um eine eigene Strategie zu entwickeln: angefangen bei Einträgen auf Facebook oder Newslettern, die per WhatsApp an Kunden versendet werden, bis hin zum «Omni-Channel», einer Weiterentwicklung des Multi-Channel-Vertriebs, bei dem sämtliche Absatzkanäle bedient werden.


 

  Roadshowtermin im LEISE am Markt

  Verpflegung für die Teilnehmer der Roadshow

Doch wie kann sie aussehen, die perfekte Lösung, die für jedes Unternehmen im Handel passt? »Eine einzige Lösung wird es nicht geben«, erklärte Thomas Bendig, Forschungskoordinator des Frauenhofer-Verbundes für Informations- und Kommunikationstechnologie, der die Zukunft des Handels beleuchtete. Wichtig sei bei allen Vorhaben, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe, nicht die Technologie. Händler sollten ihre geschäftliche Situation genau analysieren, um eine eigene Strategie zu entwickeln: angefangen bei Einträgen auf Facebook oder Newslettern, die per WhatsApp an Kunden versendet werden, bis hin zum Omni-Channel, einer Weiterentwicklung des Multi-Channel-Vertriebs, bei dem sämtliche Absatzkanäle bedient werden.

Schließlich gilt: Nicht für jeden Händler steckt die Lösung seiner digitalen Zukunft in der Schaffung eines kompletten Online-Shops. Wichtig sei es auf irgendeine Weise im Netz präsent zu sein, Angebote zu machen, um Kunden zu erreichen und zu halten. Das beweist das Ergebnis einer im Rahmen des Modellprojektes durchgeführten Umfrage: Ein Drittel der Befragten gab auch für Coburg an, sich vor einem Einkauf in der Innenstadt zunächst im Internet über Geschäfte, deren Erreichbarkeit, lokale Veranstaltungen sowie Servicethemen zu informieren.

Helfen können hier Plattformen wie das Digitale Schaufenster »GoCoburg«, auf dem sich aktuell 36 Coburger Händler, Dienstleister und Gastronomen mit ihren Angeboten präsentieren. Content-Marketing heißt das Stichwort, bei dem mit Hilfe von Fotos, Videos und Texten Inhalte digital erlebbar gemacht werden. »Das funktioniert wie eine Art verlängertes Schaufenster. Wir transportieren hier Emotionen und erzählen Geschichten. Alle daran angedockten Social-Media Kanäle tragen außerdem zum Informationsfluss bei«, erklärte Andreas Kücker, Geschäftsführer der Coburger Agentur klickfeuer und Betreiber von »GoCoburg«. Er rät den anwesenden Händlern, sich nicht vor der Digitalisierung zu verschließen, sondern »einfach einmal etwas auszuprobieren und Spaß daran zu haben«. Möglichkeiten gebe es dank Facebook, WhatsApp, Instagram, Twitter, Pinterest oder einer Gemeinschaftsplattform wie »GoCoburg« viele.

 


Wir möchten unsere Händler dabei unterstützen, die Potenziale der Digitalisierung und die daraus erwachsenden Herausforderungen und Chancen für sich und ihr Geschäft zu nutzen.


Karin Engelhardt, Leiterin der Stabsstelle E-Government und Verwaltungsmodernisierung

 

Auch Peter Schödlbauer ist den Weg der Digitalisierung mit seinem im Bayerischen Wald ansässigen Modehaus, einem lokal verwurzelten Familienbetrieb in dritter Generation, in den vergangenen Jahren konsequent gegangen. Heute ist er sowohl mit seinem Modehaus, als auch mit seinem Online-Shop Hemden Meister, auf dem er Hemden, Blusen und Corporate Fashion anbietet, sehr erfolgreich. Kunden können digital Beratungstermine ausmachen oder Ware reservieren lassen. Seine rund 50 Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Schulungen teil, um sich digital fit zu machen. »Grundsätzlich ist Beratung wichtig. Aber wir haben festgestellt, dass nicht alles zu uns passt, was uns von Fachleuten empfohlen wurde. Man darf sich nichts überstülpen lassen, sondern selbst wissen, was man erreichen möchte«, so der Unternehmer.

Das Einkaufen per App zum Spielerlebnis machen oder mit Hilfe von Sensordaten genau wissen, wann und wo sich potentielle Kunden im Laden aufhalten? Drei Coburger Existenzgründer, Studenten und Absolventen der Hochschule Coburg, präsentierten mit ihren Geschäftsmodellen in den Bereichen »Gamification« und »Augmented Reality« neue Ideen, um Kunden zukünftig noch stärker zu binden und nachhaltig interessant zu bleiben.

Die gute Nachricht kam abschließend von Prof. Roland Hertrich von der Hochschule Coburg, nach dessen Einschätzung der stationäre Handel auf Grund der digitalen Konkurrenz im Internet keineswegs ausstirbt, wie in der Vergangenheit oft prognostiziert wurde. »Wenn die stationären Händler in Zukunft alle On- und Offline-Möglichkeiten wahrnehmen, könnten sie die Gewinner sein«, so der Experte, »bauen Sie keine Gegensätze auf zwischen dem stationären und dem Online-Geschäft«. In Coburg sei bereits jeder Einzelhändler online gelistet, etwa die Hälfte verfüge über eine eigene Homepage. Aber nur jeder siebte Einzelhändler bietet auf seiner Seite eine Beratung an, das zeigte eine Studie der Hochschule Coburg.

 


Wenn die stationären Händler in Zukunft alle On- und Offline-Möglichkeiten wahrnehmen, könnten sie die Gewinner sein.


Prof. Roland Hertrich, Hochschule Coburg

 

Präsentationen


 
  Videopräsentation von Peter Schödlbauer (Textilkaufhaus Schödlbauer e.K.) zum Panel »Aktives Miteinander – Gemeinsam Online«

 

 

 

 


 

 

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