Das milde Frühlingswetter am vergangenen Samstag nutzen viele interessierte Coburgerinnen und Coburger, um sich am bundesweit ersten »Tag der Städtebauförderung« selbst ein Bild von den laufenden Sanierungsarbeiten in der Ketschenvorstadt und den Ergebnissen der Rahmenplanung am ehemaligen Güterbahnhof- und Schlachthofgelände zu machen.

Die Wohnbau Stadt Coburg GmbH hatte an beiden Standorten zu Ausstellungen und Führungen eingeladen, und eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern folgten bereits am Samstagmorgen dieser Einladung. Zu der ersten Quartiersführung durch das Sanierungsgebiet Ketschenvorstadt, »Zwischen Ketschentor und Albertsplatz«, versammelten sich am Baubüro in der Ketschengasse 56 bereits um 11 Uhr eine große Schar an Teilnehmern. Nach einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Tessmer, Baureferentin und Zweite Bürgermeisterin Dr. Weber, MdB Hans Michelbach und Wohnbau-Geschäftsführer Meyer setzte sich die Gruppe unter fachlicher Anleitung des Projektverantwortlichen Reiner Wessels in Bewegung und sorgte in dem zu dieser Zeit bereits gut frequentierten Viertel für zusätzlichen Rummel.

Rund 15 Millionen Euro sind allein von der Wohnbau und Stadtentwicklungsgesellschaft Coburg bisher in die Entwicklung von Gewerbeflächen und der Tiefgarage am Albertsplatz geflossen. Die Gesamtkosten aller privaten und öffentlichen Investoren in der Ketschenvorstadt sind mit ca. 36,5 Millionen Euro zu beziffern. Aus Mitteln der Städtebauförderung flossen für die für die Stadtraumgestaltung ca. 3 Millionen Euro sowie für die Quartierstiefgarage in der Ketschenvorstadt knapp 3,8 Millionen Euro an Fördermitteln.

Impressionen vom 1. Tag der Städtebauförderung


Die Anstrengungen der vergangenen Jahre wurden im Verlauf der Führung vom Ketschentor über den Säumarkt bis zum neu gestalteten Albertsplatz, entlang der vielen bereits (teil-)sanierten Gebäude, deutlich sichtbar. Durch eine bedachte Verkehrsführung, die neue Pflasterung in Anlehnung an das ursprüngliche Kalksteinpflaster – über 217.000 Steine wurden bisher verlegt – und die Umgestaltung des Albertsplatzes von einer Parkfläche zu einem belebten Platz im Zentrum der Ketschenvorstadt konnte die Aufenthaltsqualität im Quartier durch die Umsetzung des Sanierungskonzeptes bereits entscheidend aufgewertet werden. Knapp 5 Millionen Euro wurden für die verschiedenen Gestaltungsmaßnahmen im öffentlichen Raum bereits ausgegeben. Wo, wie auch am vergangenen Samstag, tagsüber und bei gutem Wetter das interaktive Wasserspiel für Abwechslung sorgt, setzten am Albertsplatz nach Einsetzen der Dämmerung die über den Platz verteilten beleuchteten Sitzwürfel besondere Akzente. Ein Gesamtkonzept, dass auch beim Deutschen Lichtdesign-Preis im letzten Jahr überzeugte.

Am Albertsplatz öffneten sich dann auch die Tore zur sonst verschlossenen Großbaustelle in der Ketschenvorstadt und die Teilnehmer der Führung konnten sich selbst einen ersten Eindruck von den bereits weit fortgeschrittenen Bauarbeiten zum »Quartier am Albertsplatz« machen. Von der in den Gebäuden Albertsplatz 2/Zinkenwehr 1 entstehenden 800 Quadratmeter großen Gewerbefläche, die über eine Lichtkuppel aus dem Innenhof des Ensembles mit Tageslicht versorgt werden wird, über die darunterliegende Quartierstiefgarage mit ca. 170 Stellplätzen ging es bis in die einzelnen Wohnungen, die nach der Fertigstellung teils barrierefrei und nach modernen energetischen Standards geplant, zeitgemäßes Wohnen in Eigentum und Miete direkt in der Innenstadt ermöglichen sollen. 44 neue Wohnungen sind bisher in der Ketschenvorstadt entstanden. Aufgrund des großen Andrangs konnte es in den teilfertiggestellten Gängen und Treppenhäusern der Baustelle für die Teilnehmer der Führung mitunter ganz schön eng werden.

Im Anschluss an die Führung empfahl sich ein Besuch der Baubude. Dort war von 11 bis 17 Uhr die Ausstellung »Neuentdeckung der Ketschenvorstadt« zu sehen, die vom intensiven Planungs- und Mitwirkungsverfahren über die bereits abgeschlossenen Bauabschnitte der Ketschenvorstadt Vergangenes, bisher Erreichtes sowie künftig noch Geplantes zeigte. Wer wollte, konnte ein Stück davon noch mit nach Hause nehmen. Unter dem Titel »Neuentdeckung der Ketschenvorstadt – Eine Coburger Großbaustelle (2006-2015)« verteilte die Wohnbau Stadt Coburg anlässlich des Städtebautages auch die ersten Exemplare einer neu erschienenen 50-seitigen, umfangreich bebilderten Dokumentation zur Entwicklung des Sanierungsgebiets.

Wer noch immer mehr erfahren wollte, für den ging es auf dem ehemaligen Güterbahnhof-/Schlachthofgelände unmittelbar weiter. Dort begann pünktlich um 12:30 Uhr die nächste Führung, bei der vor allem die Ergebnisse der im März 2015 vom Coburger Stadtrat beschlossenen Rahmenplanung für das Areal vorgestellt werden sollten. Oberbürgermeister Norbert Tessmer, Petra Platzgummer-Martin, Regierungsvizepräsentin der Regierung von Oberfranken, und Wohnbau-Geschäftsführer Christian Meyer betonten zum Auftakt der Führung die historische und zukünftige Bedeutung des Areals. Claus Schönfelder, Projektverantwortlicher der Wohnbau, führte die Teilnehmer anschließend über das Gelände, vorbei am 2013 geschlossenen Schlachthof bis zur Pakethalle des ehemaligen Güterbahnhofs. Eine Vorstellung davon, was als Vision einmal auf dem Areal entstehen soll – wie der zurzeit noch brachliegenden Fläche zu neuem Leben verholfen werden soll – vermittelten dabei nicht nur die im Rahmen der begleitenden Ausstellung an Bauzäunen befestigten Entwürfe und Visualisierungen aus der Rahmenplanung, sondern auch die auf dem Gelände bereits deutlich sichtbaren Vorbereitungen für die in der kommenden Woche beginnenden »27. Coburger Designtage«, deren Hauptveranstaltungsort wie bereits im letzten Jahr das Güterbahnhofsgelände sein wird.

Nicht zuletzt der große Andrang bei den Veranstaltungen in Coburg zeugt davon, dass das Ziel der Initiative um den 1. Tag der Städtebauförderung – Städtebauförderung für Bürgerinnen und Bürger erlebbar zu machen und die Öffentlichkeit über die zahlreichen Ergebnisse der Stadtentwicklung zu informieren – wohl aufgegangen ist. An dem Aktionstag hatten sich neben Coburg bundesweit etwa 570 Städte und Gemeinden beteiligt.

 

 

Pressestimmen

 

12.05.2015Neue Presse CoburgVom Säumarkt zum modernen Quartier

 

 

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