Das Coburger Landestheater

  Das Coburger Landestheater

In seiner 8. Sitzung – der letzten vor der Sommerpause – hat sich der Coburger Stadtrat am gestrigen Donnerstag, den 21. Juli 2016, in Hinblick auf eine Ausweich- bzw. Interiumsspielstätte für das Coburger Landestheater klar für den Standort Anger ausgesprochen. Gleichzeitig einigten sich die Stadträte auf eine Anhebung der Kostenobergrenze sowie die Planung und Durchführung eines so genannten Generalübernehmerverfahrens für die geplante Interimsspielstätte. Die Betriebsgenehmigung für das zwischen 1837 und 1840 erbaute Theatergebäude am Coburger Schlossplatz läuft Ende 2018 ab. Während der Generalsanierung des Bestandshauses, für die Staatsminister Söder im Januar 2016 den Planungsauftrag erteilte, sollen die Vorstellungen des Landestheaters in einer Interiumsspielstätte im Bereich der in den 1970er Jahren erbauten Dreifachsporthalle am Anger stattfinden. Für die in die Jahre gekommene Dreifachsporthalle entsteht derzeit einige hundert Meter weiter an der Ecke Bamberger Str./Karchestraße ein Neubau in Passivhausbauweise.

Offen ist derzeit noch, für welche Lösung sich die Stadt Coburg letztendlich entscheiden wird. Die von der Stadt einberufene Arbeitsgruppe »Interimsspielsätte« – bestehend aus Mitgliedern der einzelnen Fraktionen des Coburger Stadtrates, Vertretern des Landestheaters Coburg, der Hochschule Coburg und der Stadtverwaltung unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Norbert Tessmer – befasste sich in 4 Workshops ausführlich mit den zur Diskussion stehenden Gebäudevarianten und möglichen Standorten. Im Vorfeld wurden verschiedene Alternativen einer Prüfung unterzogen. So überzeugte man sich beispielsweise im Rahmen von Ortsterminen in München, Landshut und Genf von den Vor- und Nachteilen einer Theaterzeltkonstruktion sowie einer Interimsspielsätte in Holzleichtbauweise. Während in Bezug auf ein Theaterzelt akustische und klimatische Bedenken überwogen, hinterlies die »L’Opéra des Nations« getaufte, in Holzleichtbauweise errichtete, Interimsspieltätte des Grand Théâtre de Genève einen überwiegend positiven Eindruck.

Nach wie vor wird auch die Ertüchtigung der Angersporthalle als eine mögliche Lösung weiterverfolgt. Hier gab die Stadt beim renommierten Bayreuther Planungsbüro »Bühnenplanung Walter Kottke« eine Studie für drei, im Vorfeld erarbeitete, Ertüchtigungsvarianten in Auftrag, deren grundsätzliche Machbarkeit in Folge jeweils bestätigt werden konnte. Nach Vorliegen der Ergebnisse erwies sich die ausgearbeitete »Variante 2« als die wirtschaftlichste. Diese sieht vor, einen Teilbereich der vorhandenen, markanten Sheddachkonstruktion zu entfernen und nach Einbau aller erforderlichen Bühnenelemente durch eine wärmegedämmte Stahlhaube zu ersetzen.

 


 

  Die Dreifachsporthalle am Anger

  Entwurf: Globe Theater Coburg

  Entwurf: Innenansicht Theaterraum

Deutlich wurde im Zuge der ausgearbeiteten Varianten jedoch auch, dass die Einhaltung der vom Coburger Stadtrat im Januar 2015 festgesetzten Kostenobergrenze von 5 Millionen € voraussichtlich keiner der Entwürfe leisten könnte. Ein Grund hierfür ist auch der schlechte Gesamtzustand des Gebäudes.

Noch auf Anregung des im Juni 2016 im Alter von 57 Jahren plötzlich verstorbenen Präsidenten Prof. Dr. Michael Pötzl brachte auch die Hochschule Coburg einen Entwurf in die Diskussion mit ein. Studierende der Studiengänge Bauingenieurswesen und Architektur beschäftigten sich im Rahmen einer Semesterarbeit mit möglichen Lösungen für eine Interimsspielstätte. 16 Ideen entstanden, wovon letztlich der dem Londoner Globe Theatre nachempfundene Entwurf »Globe Theater Coburg« der Studierenden Isabell Stengel und Anders Macht favorisiert wurde. In dem – in Form einer Rotunde konzipierten – Theater sollen später einmal bis zu 486 Theatergäste Platz nehmen können. Für den Entwurf fehlt jedoch eine abschließende Kostenschätzung. In einer groben Überschlagung geht die Stadt jedoch auch hier davon aus, dass der Kostenrahmen von 5 Mio. € ggf. überschritten würde.

Die abschließende Einschätzung der Arbeitsgruppe – die mithilfe einer komplexen Entscheidungsmatrix entlang verschiedenster Bewertungskriterien zu ihrem Ergebnis kam – fiel schließlich knapp zugunsten der Errichtung eines Neubaus (in Holzleichtbauweise) am derzeitigen Standort der Angersporthalle aus. Für diese Variante sprachen am Ende 326,5 Punkte, für die Ertüchtigung der Halle 309 Punkte.

In seiner gestrigen Sitzung sprach sich der Stadtrat daher nicht nur dafür aus, die ursprünglich festgesetzte Kostenobergrenze von 5 Mio. € auf 7,5 Mio. € zu erhöhen, sondern beauftragte die Stadt auch mit der Planung und Durchführung eines zweigleisigen, europaweit-ausgeschriebenen Generalübernehmerverfahrens. Im Zuge des Verfahrens soll ein Anbieter bzw. Unternehmen gefunden werden, dass sowohl die Planung als auch die Ausführung, den Bau des Projektes (eigenverantwortlich) übernehmen soll. Hierbei soll ggf. auch die Möglichkeit einer Ertüchtigung der Angersporthalle (zunächst) weiterverfolgt werden, die Planung der Hochschule erhalte jedoch Vorrang. Davon verspricht sich die Stadt, aus mehreren Angeboten letztlich das bestmöglichste auswählen zu können. Nach heutigem Stand ist mit der Durchführung des Verfahrens vsl. im Oktober 2016 zu rechnen. Über die Beauftragung eines Generalübernehmers soll – nach Auswertung der eingegangenen Angebote – dann erneut der Coburger Stadtrat entscheiden.

 



 

 

Pressestimmen

 

22.07.2016Bayerischer RundfunkLandestheater Coburg: Kostenobergrenze für Ausweichspielstätte

22.07.2016Coburger TageblattGlobe oder ein „Glöbchen“ für Coburg?

22.07.2016Neue Presse CoburgAngst vor den Kosten

20.07.2016Neue Presse CoburgEin »Globe-Theater« für Coburg

18.07.2016Coburger TageblattEin rundes Theater für Coburg im Rondell?

 

 

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