Roland Wölfel
Geschäftsführer
CIMA Beratung + Management GmbH

Nach eigenen bundesweiten Befragungen der cima (cima.MONITOR 2016) zeigt sich, dass zwar die Einkaufsmöglichkeiten weiterhin wichtigstes Merkmal attraktiver Innenstädte darstellen. Deutlich sichtbar ist aber auch, dass Innenstädte sich zunehmend durch weitere Angebote auszeichnen sollten, die den Bereichen Kultur und Freizeit, Gastronomie, Dienstleistung und Gesundheit zuzuordnen sind. Gerade in Oberzentren wie Coburg zeigt sich, dass die Kunden neben dem Einkauf zunehmend Alternativen als Hauptgrund für den (Innen-)Stadtbesuch angeben.

Einhergehend mit der Erweiterung der Angebote oder Besuchsgründe sind Barrierefreiheit und Bequemlichkeit zentrale Erfolgsfaktoren eines positiven, unbeschwerten Stadterlebnisses.

Die wichtigste Innenstadtfunktion »Einzelhandel« gerät durch die Zunahme des Onlineanteils am Gesamtmarkt unter Druck. Dieser Trend forciert auf Seiten des Handels den Strukturwandel im Sinne nötiger Modernisierungszyklen und Innovationen für den Endverbraucher. Der stationäre Einzelhandel kann zukünftig höhere Umsatzanteile durch Serviceleistungen, Kundenevents, Verleih oder Reparatur erzielen. Gleichzeitig bedeutet dieser Strukturwandel für die Innenstädte, auch das Angebot sonstiger kundenorientierter Einrichtungen zu stärken und nachfrageorientiert auszubauen, um die Belebtheit und Frequenz weiter zu fördern.

Die generelle Zunahme der Bedeutung der Gastronomie und spezieller Food-Angebote für Innenstädte wird auch in den bundesweiten Zahlen zur Entwicklung der Umsätze deutlich. Neue und moderne Konzepte der Gastronomie reagieren auf Konsumtrends wie Herkunft, Regionalität, Authentizität, Internationalität, Neo-Ökologie sowie Convenience. In der Vielfalt seiner Gastronomie ist Coburg dabei gut aufgestellt.

Im Zusammenhang mit demographischem Wandel und einem zunehmenden Anteil älterer Menschen werden auch Gesundheitsangebote zu einem wichtigen Bestandteil der Versorgungsfunktion: Ärztehäuser, medizinische Versorgungszentren oder therapeutische Einrichtungen werden nachgefragt und bringen Frequenz und holen auch die Wohnbevölkerung zurück in die Innenstadt.

Coburg muss sich als Partnerschaft der öffentlichen und privaten Akteure verstehen und so als Gemeinschaft deutliche Anstrengungen unternehmen, die Kunden des Einzugsgebietes über eine Kompetenzsteigerung im Handel (Schließung Konzeptlücken, Modernisierung vorhandener Konzepte, Verstärkung Omni-Channel-Handel), aber auch über völlig neue Konzepte anderer Branchen (Gastronomie, Dienstleistung, Kultur, Freizeit, Gesundheit etc.) möglichst häufig und länger in die Innenstadt zu ziehen.

Als städtebaulich qualitätvolle, mit historischen Attraktionen gespickte Innenstadt gilt es v.a. auch die touristischen Qualitäten herauszuheben und den Städtetourismus als zusätzlichen kaufkraftbringenden Wirtschaftsfaktor weiter auszubauen.

Kunden erwarten aber zunehmend kompetente Multi-/ oder Omni-Channel-Kompetenz des Handels. Hier gilt die Stadt Coburg bundesweit als Vorreiter.

Auch ist der inhabergeführte Handel gefordert, Erlebniswelten zu schaffen, die zu höherer Bindungsintensität und Wiederkehrwahrscheinlichkeit führen. Dabei ist die Kundenfrequenz alleine nicht mehr der geeignete Maßstab für erfolgreiches Handeln. Entscheidend ist die Conversion Rate, also die „Umwandlung“ vom Interessenten zum Käufer. Kriterien zur Erhöhung der Conversion Rate sind vielfältig. Genannt seien exemplarisch:

  • Erlebnisqualität erhöhen,
  • Aufenthaltsdauer verlängern,
  • Ruhe- und Erlebniszonen schaffen,
  • Willkommenskultur und Gastlichkeit
  • Bequemlichkeit und Convenience,
  • eine überzeugende Warenpräsentation etablieren,
  • individuelle und bedarfsgerechte Beratung durch geschulte Mitarbeiter,
  • Ergänzungsangebote (Cross-Selling mit komplementären Anbietern, z.B. Leder/Schuhe zu Textil) darbieten,
  • In-Store-Technologien (virtuelle Umkleidekabine, virtuelle Verlängerung der Ladentheke durch Anbindung an den Online-Store, mobiles Bezahlen etc.) einbauen.

Im Ladengeschäft ist die Beratungsqualität und die Atmosphäre, das Erlebnis sowie die Services für den Kunden entscheidend. Ferner ist eine hohe Kompetenz bei kanalübergreifenden Lösungen aufzubauen. Digitale Technologien wie mobile payment oder Beratung an Tablets werden bald zum Standard gehören.

Coburg sind hier als Einzelunternehmen aber auch als Unternehmergemeinschaft gefordert. Mit GoCoburg sind viele Möglichkeiten vorhanden.

Coburg muss sich weiterhin auch über analoge Angebote der Innenstadt (Gastronomie, Events, Kulturangebote, Museen, Weihnachtsmarkt etc.) positionieren, um Frequenzverluste durch Online-Handel auszugleichen.

Die Innenstadt der Zukunft sollte sich nicht mehr als reiner Markt- und Handelsplatz sondern als multifunktionale und emotionale Destination begreifen, mit vielen Besuchsanlässen und Erlebnismöglichkeiten auf sich aufmerksam machend. Lokale Besonderheiten, Quartiere, Gassen und Läden mit eigener Story, Co-Working und Vernetzung aller Akteure und die Bespielung aller Kanäle lassen den „Erlebnis- und Lebensraum Innenstadt“ zum attraktiven Besuchs- und Aufenthaltsziel werden.


 

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