Landestheater: Stadtrat beschließt kostenoptimiertes Interim in mobiler Leichtbauweise

von23. Dezember 2016 um 13:00Stadt Coburg


 

  Das Coburger Landestheater

  Das Coburger Landestheater

  Entwurf: Globe Theater Coburg

  Entwurf: Theaterraum Globe Theater

  Die Dreifachsporthalle am Anger

Der Coburger Stadtrat hat in seiner letzten, 12. Sitzung des Jahres am 15. Dezember 2016 die Errichtung einer kostengünstigen Interimsspielstätte auf dem Ketschenanger einstimmig beschlossen. Damit geht aller Voraussicht nach ein langwieriger Planungs- und Entscheidungsprozess hinsichtlich der für die Dauer der Sanierung des bestehenden Theatergebäudes aus dem Jahre 1840 zu findenden Ersatz- bzw. Ausweichspielstätte zu Ende. Das ursprünglich favorisierte »Globe Theater« ist aus Sicht der Stadt Coburg nicht realisierbar. Diese Einschätzung stützt sich auf ein kürzlich durchgeführtes europaweites Marktkonsultationsverfahren und einer nachgeschalteten Kostenschätzung. Die Gründe, die zu dieser Einschätzung führten sind zum einen in der besonderen Bauform und den damit einhergehenden höheren Herstellungskosten zu sehen, zum anderen aber auch in der vergleichsweise schwierigen Umsetzung der vorliegenden Theaterkonzeption eines Dreispartenhauses in einem Rundbau zu suchen.

Zur Vorgeschichte: Beschlüsse vom 22.01.2015 und 21.06.2016

Der Stadtrat hatte in seiner 1. Sitzung des Jahres 2015 am 22. Januar in einem Grundsatzbeschluss zur Generalsanierung des Landestheaters unter Ziffer 4 folgendes beschlossen: »Für die Ertüchtigung einer Ersatzspielstätte wird entsprechend der Vorgaben des Freistaates Bayern eine Kostenobergrenze von 5,0 Mio. € festgelegt. Die Ersatzspielstätte soll in der bestehenden Angerturnhalle errichtet werden. Dies gilt nicht, falls sich herausstellen sollte, dass an diesem Standort anstelle der bestehenden Angerturnhalle eine Ersatzspielstätte in Leichtbauweise im geplanten zeitlichen Rahmen und insgesamt kostengünstiger errichtet werden könnte, d.h. einschließlich entstehender Abbruchkosten für die Angerturnhalle«.

Eine im Jahr 2015 vom Oberbürgermeister initialisierte »Arbeitsgruppe Interimsspielstätte« bestehend aus Vetretern der Stadtverwaltung, der Fraktionen im Stadtrat, dem Landestheater und der Hochschule erarbeite bis Juni 2016 zwei Varianten für eine mögliche Ausweichspielstätte am Anger. Der von der Hochschule Coburg eingebrachte Entwurf für ein »Globe Theater« der beiden Architekturstudenten Isabell Stengel und Anders Macht konnten sich dabei als favorisierter Vorschlag gegen einen Umbau der bestehenden Dreifachsporthalle am Anger durchsetzen.

In seiner 8. Sitzung vom 21. Juli 2016 beschloss der Stadtrat:

  1. Die Ziffer 4 des Stadtratsbeschlusses II./2. (Vorlage 3/2015) vom 22.01.2015 wird aufgehoben. Die Kostenobergrenze wird auf 7,5 Mio. € festgesetzt.
  2. Die Interimsspielstätte wird auf dem Gelände des Angers – derzeitige Dreifachsporthalle – errichtet.
  3. Der Stadtrat nimmt die vorgestellten Konzepte zur Realisierung einer Interimsspielstätte für die Generalsanierung des Landestheaters zur Kenntnis.
    Die Verwaltung wird beauftragt, ein europaweites Generalübernehmerverfahren (GÜ-Verfahren) zur Errichtung des von der Hochschule vorgestellten »Globe Theaters Coburg« vorzugsweise in Holz, sowie die Ertüchtigung der bestehenden Dreifachsporthalle am Anger als Interimsspielstätte in diesem Verfahren vorzubereiten und durchzuführen. Dabei ist von einer Besucherzahl von zirka 350 Personen auszugehen. Nach erfolgter Angebotsprüfung wird die Beauftragung der Interimsspielstätte dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt.

Weiteres Vorgehen: Raumprogramm und Hybridlösung

In den darauf folgenden Monaten wurde unter Zuhilfenahme von externen Beratern mit Hochdruck an der Umsetzung des europaweiten Ausschreibungsverfahrens für das Globe Theaters gearbeitet. So mussten vergaberechtliche Anforderungen geklärt und die daraus nötigen Vorgehensweisen klar definiert werden, aber auch der Entwurf der Hochschule in eine nutzergerechte und auf dem Markt realisierbare Form gebracht werden. Hier zeigte sich relativ schnell, dass das von der Hochschule konzeptionierte Raumprogramm die gestellten Anforderungen an die Interimsspielstätte nicht erfüllt. Daher mussten Lösungen zur Kompensierung des Raumdefizits erarbeitet werden.

Da sich eine Erweiterung der Ausweichspielstätte mittels Container als zu teuer und unwirtschaftlich erwies, wurde die Idee einer sogenannten »Hybridlösung« geboren. Dabei soll der südlich gelegene, flache Teil der jetzigen Dreifachturnhalle, indem sich viele gut nutzbare Räume, aber auch alle technischen Anlagen wie Lüftung, Heizung, Hausanschlussräume für Strom, Fernheizung und Trinkwasser befinden, nach einem Teilabriss der Sporthalle verbleiben und mit der neuen Interimsspielstätte verbunden werden.

 


 

  Visualisierung: Interimsspielstätte (Prinzipplanung)

  Visualisierung: Interimsspielstätte (Prinzipplanung)

  Visualisierung: Interimsspielstätte (Prinzipplanung)

  Visualisierung: Interimsspielstätte (Prinzipplanung)

  Grundriss EG (Prinzipplanung)

  Grundriss 1. OG (Prinzipplanung)

Weiteres Vorgehen: Marktkonsultation und Kostenschätzung

Um vor Durchführung eines europaweiten Generalübernehmerverfahrens abschätzen zu können, mit welchen Kosten bei der Realisierung des Globe Theaters zu rechnen ist und um den Markt nach möglichen Interessenten zu befragen, wurde vorab europaweit ein sogenanntes »Marktkonsultationsverfahren« durchgeführt.

Dabei bekundeten 11 Firmen Interesse und gaben erste Großkosten an. Nach Auswertung der eingereichten Unterlagen ist festzustellen, dass lediglich ein Interessent eine Realisierung des Globe Theaters im zur Verfügung stehenden Kostenrahmen als möglich ansieht. Eine darauf vom Hochbauamt in Auftrag gegebene Kostenschätzung zur Validierung der Kosten der Marktanalyse auf Basis der nun vorliegenden Funktionsplanung der Interimsspielstätte weist Gesamtbruttokosten in Höhe von rund 9,8 Mio. € aus und überschreitet den gesetzten Kostenrahmen von 7,5 Mio. € bei weitem.

Kostenoptimierte Interimsspielstätte in rechteckiger Form

Daraufhin wurden vom Hochbauamt der Stadt Coburg in Zusammenarbeit mit dem Landestheater und dem externen Bühnenplaner theapro kurzfristig nach Alternativen gesucht. Ein erster Schritt dabei war die Änderung der Gebäudehülle vom runden, zylinderförmigen »Globe« hin zu einem rechteckigen, kubischen Gebäudetypus. Dadurch konnten die Kosten um rund 1,0 Mio. € reduziert werden, bewegten sich aber immer noch außerhalb des vorgesehenen Budgets. Erst mit einer kostenoptimierten zweiten Variante mit reduzierter Bühnentechnik und zweigeschossiger Bauweise konnte die Zielmarke von 7,5 Mio. € unterschritten werden. Werden davon die nicht der Interimsspielstätte zuzurechnenden Abbruchkosten in Höhe von rund 750.000 € abgezogen und ein Erlös aus einem möglichen Verkauf von mind. 1,0 Mio. hinzugerechnet, verbleibt ein reines Investitionsvolumen von rund 5,0 Mio. €, das zu 75 % vom Freistaat Bayern bezuschusst wird.

Auf Basis dieser Ergebnisse wurde in der Stadtratssitzung vom 15. Dezember 2016 einstimmig der folgende Beschluss gefasst:

Die Ziffer 4 des Stadtratsbeschlusses II./2. (Vorlage 3/2015) vom 22.01.2015 und Ziffern 1. und 3. des Stadtratsbeschlusses vom 21.07.2016 (Vorlage 485/2016) werden aufgehoben und wie folgt neu gefasst:

  1. Die Kostenobergrenze wird auf Basis der als Anlage beigefügten Grobkostenschätzung für die Variante »ISS spar« auf 6,0 Mio. € brutto festgesetzt. Darin enthalten ist die Errichtung einer Interimsspielstätte in mobiler Leichtbauweise unter Einbeziehung eines Teils der bestehenden Dreifachsporthalle am Anger (Hybridlösung, Erhalt des Flachbaus mit Nebenräumen). Ferner sind darin enthalten die Kosten für die notwendige Bühnentechnik, Gründung, Ertüchtigung der Nebenräume der Halle inklusive technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie die Herstellung der Außenanlagen.
    Nicht enthalten sind die Kosten für den notwendigen Teilabbruch der Dreifachsporthalle am Anger sowie für die bisher aufgewendeten Kosten für Planungen und Gutachten zur Ermittlung geeigneter Lösungen für eine Interimsspielstätte.
  2. Nicht weiterverfolgt werden sollen folgende Lösungen:
  1. Ausarbeitung eines Tourneetheaterkonzepts ohne neu zu errichtende Spielstätte unter Nutzung bestehender Räumlichkeiten mit Schwerpunkt innerhalb Coburgs,
  2. Ertüchtigung der bestehenden Dreifachsporthalle am Anger ohne weitere Auf- und Anbauten
  3. die Realisierung eines »Globe Theaters Coburg« auf Basis des Entwurfs der Hochschule Coburg
  1. Die Verwaltung wird beauftragt, ein europaweites Generalübernehmer-Verfahren (GÜ-Verfahren) zur Errichtung einer Interimsspielstätte in mobiler, kubischer Leichtbauweise vorzubereiten und durchzuführen.
    Nach erfolgter Angebotsprüfung wird die Beauftragung der Interimsspielstätte dem Stadtrat zur Entscheidung gegeben.

Fazit

Mit dem nun vorliegenden Stadtratsbeschluss ist der Weg frei für die zeitnahe, wirtschaftliche Realisierung einer Interimsspielstätte für die bevorstehende Generalsanierung des Landestheaters Coburg. Auch wenn das ursprünglich mit großem Enthusiasmus getragene »Globe Theater« nun zwar nicht zur Ausführung kommt, so wird der jetzt beschlossene Kompromiss den Anforderungen des Theaters weitgehend gerecht und ist wirtschaftlich sowie nachhaltig. Theaterbesucher werden eine ansprechende und funktionale Spielstätte vorfinden, die Lust auf Improvisation, Beschreiten neuer Wege und die Auseinandersetzung mit einem eigens für die Interimszeit gestalteten Spielplan macht. So wird die Zeit bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs im generalsanierten Großen Haus sicher gut überbrückt.

 



 

 

 

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