Der »Rheingold«-Panorawagen…

  … bei der Ankunft im Mai 2017.

  Tag der Städtebauförderung 2017

  Beginn der Sanierungsarbeiten

  Der Panoramawagen im November 2019…

  … mit neuer Grundlackierung.

Ein 50 Tonnen schwerer Luxuswaggon schwebt über Coburg

Zahlreiche Schaulustige, darunter auch einige Eisenbahnfreunde aus der nahen Umgebung, waren im Mai 2017 auf das ehemalige Güterbahnhof-/ Schlachthofgelände in Coburg gekommen, um sich dieses außergewöhnliche Ereignis nicht entgehen zu lassen: An zwei Schwerlastkränen sicher befestigt schwebte ein wenige Minuten zuvor aus Lichtenfels eingetroffener, 50 Tonnen schwerer Bahnwaggon über den Gleisen. Die Freude über die Ankunft des »Rheingold«-Panoramawaggons stand einigen Anwesenden auf dem Bahnsteig neben der alten Pakethalle geradezu ins Gesicht geschrieben. Mit der Leihgabe der DB-Stiftung, die der Stadt Coburg zunächst für die Dauer von 20 Jahren kostenfrei überlassen wurde, hielt – wie auch zahlreiche im Nachgang bei der Stadt eingegangenen Anfragen von Eisenbahnfreunden aus dem In- und Ausland zeigen – ein historisch ebenso bedeutsames wie auch seltenes Stück Eisenbahngeschichte in Coburg Einzug.

Von den Waggons, die mit ihrem charakteristischen Panorama-Glasdach einst zur Luxusklasse des europäischen Bahnverkehrs zählten, wurden im Baujahr 1963 insgesamt fünf Exemplare gefertigt. Lediglich einer dieser Wagen ist heute noch (regelmäßig) auf der Schiene unterwegs. Ein weiteres Exemplar befindet sich in der Obhut Kölner Eisenbahnfreunde. Für Reisende der 1. Klasse boten die Waggons – zumindest für damalige Verhältnisse – neben der Panoramaaussicht noch zahlreiche weitere Annehmlichkeiten, u.a. ein Sekretariatsbüro, Klimatisierung sowie ein modernes, hochwertiges Interieur. Bis in die 1970er Jahre war der Coburger Waggon auf der Strecke den Haag – Genf als »Trans-Europ-Express« im Netz der Deutschen Bahn unterwegs. Weitere Einsätze erlebte der Panoramawagen anschließend in der Schweiz sowie zuletzt in Schweden.

Der Lack war ab… – Hürden auf dem Weg zur Sanierung

Aus dem Dienst gestellt, war der Waggon anschließend einige Jahre der Witterung ausgesetzt. Als der Panoramawagen im Mai 2017 in Coburg ankam, war der Lack an einigen Stellen bereits ab. Auch andere Probleme wie Rost, undichte Stellen und – dadurch bedingt – eintretende Feuchtigkeit stellten sich einer zügigen Ertüchtigung zunächst in den Weg. Auch von Vandalismus blieb der Waggon an seinem neuen Standort nicht verschont.

Einige Zeit sah es so aus, als passiere nicht viel. Hinter den Kulissen arbeitete das städtische Projektteam, bestehend aus Ideengeber und Stadtplaner Joachim Träger, Wirtschaftsförderer Rolf Krebs und Bauleiter Rüdiger Jörg, auch unter Einbeziehung verschiedenster Fachleute jedoch kontinuierlich an den Plänen zur (fachgerechten) Sanierung des Wagons. Expert/-innen des Bahnbetriebswerks Lichtenfels, der Dampfbahn Fränkische Schweiz und des Dampflockwerks Meinigen wurden hinzugezogen. Auch an die lokale Handwerkerschaft wandten sich die Coburger Planer: Mehr als 280 Handwerksbetriebe wurden angeschrieben und um Unterstützung bei der Sanierung gebeten. Die Beteiligung blieb – auch aufgrund der derzeit guten Auftragslage – eher zurückhaltend. Ganz ungehört bleib der Aufruf jedoch (auch) nicht: Die am Güterbahnhof ansässige Glaserei Späth unterstützte in der Vorbereitung der Sanierung u.a. beim Ausbau der Waggonfenster. Auch um andere Kooperationen bemühten sich die Planer/-innen und erhielten Unterstützung, u.a. von der Hochschule Coburg, die den Waggon vermessen, sowie von der Staatlichen Berufsschule am Plattenäcker, die sich um die Reinigung und Aufbereitung der Polstersitze kümmern möchte. Die Möblierung hatten die städtischen Mitarbeiter zwischenzeitlich in Eigeninitiative ausgebaut, um sie vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Bei genauerem Hinsehen wurden zahlreiche erste (Sicherungs-)Maßnahmen durchgeführt, etwa Löcher in der Außenhaut (provisorisch) geflickt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Ein Lüftungsgerät legte den Waggon im Anschluss nach und nach trocken. Die weitere Sanierung wurde Schritt für Schritt vorbereitet und eingeleitet…

Neue Lackierung: Alles grau in grau (aber nur vorübergehend)

Mit dem Einrüstung des Waggons werden die Bemühungen zur Sanierung ab September 2019 auch aus größerer Entfernung sichtbar. Gut eingepackt unter Planen und vor Wetter und Witterungseinflüssen geschützt, begannen weitere wichtige Schritte zur Restaurierung und Sanierung des Panoramawaggons. Den Anfang machte Mitte September einen gründliche Sandstrahlung mit anschließender Begutachtung des Zustandes. Damit Rost, der dem Waggon auch aufgrund einer vorherigen Beklebung am letzten Einsatzort im Schweden schwer zugesetzt hatte, in Zukunft keine Chance mehr hat, erhielt der Waggon im Anschluss eine neue Grundlackierung.

An das triste Grau in Grau, das den Waggon zwischenzeitlich vollständig bedeckte – ein wichtiger Korrosionsschutz für die kommenden Jahre – brauchte man sich zum Glück gar nicht erst gewöhnen: Unmittelbar im Anschluss begannen Mitte November 2019 bereits die Arbeiten zur Wiederherstellung einer historisch orientierten Oberflächenlackierung. Wie der einstige »Trans-Europ-Express« soll sich der Panoramawaggon in Coburg zukünftig wieder in beige und weinrot lackiert präsentieren.

Ziel: Nutzung als Anlaufstelle (vielleicht) schon zu den Coburger Designtagen 2020

Ziel ist es, den Panoramawaggon bis zu den Coburger Designtagen im kommenden Jahr wieder soweit ertüchtigt zu haben, dass er seiner zukünftigen Nutzung zugeführt werden kann. Auf dem Stadtumbaugebiet am ehemaligen Güterbahnhof soll der umgebaute Waggon ab kommenden Jahr als Anlaufstelle und Quartierstreffpunkt dienen, bspw. auch für kleinere Veranstaltungen. Die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft möchte sich darum bemühen, den Raum als Ort der Begegnung am eh. Güterbahnhof zu öffnen und ist Ansprechpartner (auch) für (unkonventionelle) Nutzungsideen. Bereits zum Tag der Städtebauförderung 2017 hatte die Stadt ihre Bürgerinnen und Bürger befragt und um Vorschläge für eine (mögliche) spätere Nutzung gebeten. Neben Kulturveranstaltungen und Lesungen standen auch eine (eingeschränkte) Gastronomie sowie Nutzungsmöglichkeiten für Kreative sowie die Einbindung in die Designtage auf der »Wunschliste«. Im Rahmen der weiteren Sanierung soll der Innenausbau auf eine solche spätere Nutzung abgestimmt werden. Mit Alexander Simon konnten die Planer/-innen einen echten Experten auf diesem Gebiet mit in ihr Team aufnehmen. Der gelernte Schreiner und Innenarchitektur-Student an der Hochschule Coburg verfügt aus einem vorhergehenden Projekt bereits über Erfahrung beim Innenausbau von Eisenbahnwaggons. Zur zukünftigen Nutzung als Veranstaltungsort gehört auch die Versorgung mit Strom, Wasser und Internet. Hierfür soll auf dem Güterbahnhofareal eine Energiesäule errichtet werden.

Nicht zuletzt sind alle (geplanten) Maßnahmen natürlich auch mit Kosten verbunden, die sich nach Schätzungen der Planungen derzeit auf vsl. ca. 150.000 € belaufen werden. Durch die zukünftige Nutzung konnte jedoch eine Förderung im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms »Stadtumbau West« beantragt werden. Die Sanierung des Panoramawaggons zum Quartierstreffpunkt wird aus Mitteln des Bundes und der Länder gefördert. Im Rahmen der Städtebauförderung werden vsl. bis zu 60 % der förderfähigen Kosten übernommen.

 

 


 

 

Pressestimmen

 

20.11.2019Coburger TageblattVerjüngungskur für historischen Waggon

20.11.2019Neue Presse CoburgDer alte Lack ist ab

20.11.2019Coburger TageblattDer alte Glanz kommt bald zurück

13.09.2019Neue Presse CoburgPanoramawagen: vom Wrack zum Hingucker

13.09.2019Coburger TageblattLetzter Halt des Panoramawagens als »Quartiersmittelpunkt«

11.05.2017iTV CoburgHaltezeit: 20 Jahre – Güterbahnhofsareal um Attraktion reicher

11.05.2017Coburger TageblattDer »Rheingold« schwebte in Coburg ein

11.05.2017Neue Presse CoburgPunktlandung am Güterbahnhof

11.05.2017Neue Presse CoburgPanoramawagen wird Zentrum für Kreativität

25.04.2017Neue Presse Coburg»Rheingold« rollt nach Coburg

25.04.2017Coburger TageblattLegendärer Waggon fährt im Mai ein

19.04.2017Neue Presse CoburgBahn-Rarität bereichert Coburg

19.04.2017Coburger TageblattDer »Rheingold« rollt an die Itz nach Coburg

 


 

 

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