Historisches Zollingerdach findet neue Heimat am Güterbahnhof

von23. September 2015 um 16:50Stadt Coburg0 Kommentare


 

Spektakulärer Transport: Vom Abrissgebäude…

… am langen Arm des Krans …

… zum neuen Standort am Ende der Pakethalle

Für eine spektakuläre »Rettungsaktion« auf dem Güterbahnhofsgelände waren am vergangenen Dienstag ein gehöriges Maß an personellem Einsatz sowie eine nicht minderschwere Kraftanstrengung von Nöten. Da die Abbrucharbeiten im Süden des Geländes weiterhin zügig voranschreiten, musste kurzfristig ein »neues Zuhause« für eine erhaltenswerte, historische Dachkonstruktion gefunden werden. Das Dach einer in den 1920er Jahren auf dem Güterbahnhofsgelände errichteten Werkhalle, ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil es in sogenannter Zollinger-Bauweise ausgeführt wurde.

Die Not machte den Merseburger Stadtbaurat Friedrich Zollinger Anfang der des letzten Jahrhunderts nicht nur erfinderisch – er machte aus ihr eine Tugend: Zur Bekämpfung der in Deutschland zu diesem Zeitpunkt herrschenden Wohnungsknappheit entwarf er eine materialsparende und somit preiswerte, weitgehend freitragende Dachkonstruktion, die mit vergleichsweise einfachen Mitteln und in verhältnismäßig kurzer Zeit errichtet werden konnte: das »Zollingerdach«. Gegenüber gängigen Konstruktionen dieser Zeit benötige ein Dach in Zollinger-Bauweise bis zu 40% weniger Holz bei gleichzeitig optimierter Raumnutzung. Auch eine Coburger Baufirma erwarb in diesen Jahren eine Lizenz an der von Zollinger 1921 zum Patent angemeldeten Konstruktion. Neben dem nun abgerissenen Gebäude finden sich so in Coburg auch heute noch zahlreiche weitere Gebäude in Zollinger-Bauweise. Beispiele hierfür sind die denkmalgeschützten Häuser Lutherstraße 20 und Eupenstraße 48 sowie mehrere Gebäude in der Eigenheimstraße.

Passanten im Bereich des Güterbahnhofs bot sich am vergangenen Dienstag jedoch nicht nur die Gelegenheit, die freigelegte, wabenartige Tragwerksstruktur eines Zollingerdachs einmal aus nächster Nähe zu betrachten, sondern im Zuge der Versetzung des Dachs an einen anderen Standort auf dem Gelände auch einem nicht-alltäglichen Schauspiel beizuwohnen: Dabei zuzusehen, wie die 10 mal 10 Meter große und mehrere Tonnen schwere Dachkonstruktion am sprichwörtlich »seidenen Faden« hoch über dem Güterbahnhofsgelände zu schweben schien. An Seilen befestigt bewegte der lange Arm eines Baukrans die zuvor transportfähig gemachte, fast 100 Jahre alte Holzkonstruktion vom Abrissgebäude zunächst auf eine nahe gelegene Freifläche, um das außergewöhnlich gut erhaltene Zollingerdach in einem zweiten Schritt an seinen neuen Bestimmungsort zu heben. Denn nicht unweit des ursprünglichen Standortes fand sich eine neue Nutzung für die architektonisch bedeutende Konstruktion. Im hinteren Bereich der Pakethalle soll der Zollinger-Überbau in Zukunft gleich im Eingangsbereich das Interesse der Besucher wecken.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg hatte das Areal um die Pakethalle vor kurzem angemietet, und möchte dieses in Zukunft in Zusammenarbeit mit dem Coburger Designforum Oberfranken u.a. als Eventlocation, insbesondere für Veranstaltungen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft, nutzen.

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Fotos: Frank Wunderatsch, Aaron Rößner, Redaktion.

 

 

Pressestimmen

 

22.09.2015Neue Presse Coburg7,5 Tonnen am seidenen Faden

22.09.2015Coburger TageblattDas zweite Leben für ein Dach in Coburg

 


 

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